Strompreisentwicklung: Das kostet 1 kWh Strom 2022

Wo kommt der Strom eigentlich genau her? Was kostet Strom? Wie setzt sich der Strompreis in Deutschland zusammen? Und: Wie sichere ich mir einen niedrigeren Strompreis?

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Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • durchschnittlicher Strompreis im ersten Halbjahr 2022 in Deutschland: 37,14 Cent pro kWh
  • Strompreis setzt sich aus Steuern und Abgaben, Gebühren für die Stromnetz-Nutzung und Anbieterkosten zusammen
  • Strom wird seit Jahren teurer, besonders wegen steigender Abgaben
  • durch Stromanbieterwechsel können Verbraucher*innen oft beim Strompreis sparen

Was kostet Strom in Deutschland?

Im ersten Halbjahr 2022 kostete eine Kilowattstunde (kWh) Strom in Deutschland durchschnittlich 37,14 Cent. Im Vergleich zum Vorjahr (32,16 Cent) ist der Strompreis damit 15,5 Prozent teurer geworden. Die Preiserhöhung folgt dem Trend: In den vergangenen 10 Jahren ist der Strompreis um ganze 43,5 Prozent angestiegen. Die Strompreisentwicklung zeigt also deutlich nach oben. Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge kostet der Strom aktuell 37,30 Cent/kWh (Stand Juli 2022).

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Wie setzt sich der Strompreis pro kWh zusammen?

Der Strompreis von 32,16 Cent pro kWh im Jahr 2021 setzte sich aus drei Bestandteilen zusammen:

  • 51 Prozent für Steuern, Abgaben und Umlagen
  • 24 Prozent für die Nutzung der Stromnetze des Netzbetreibers
  • 25 Prozent an Stromanbieter für Stromerzeugung und Vertrieb

Der Anteil für Steuern, Abgaben und Umlagen macht seit Jahren über die Hälfte aus und ist unter anderem dafür verantwortlich, dass Strom in Deutschland zu den teuersten in ganz Europa gehört.

Was hat der Strompreis mit der EEG-Umlage zu tun?

Für den Anstieg des Strompreises in Deutschland sind vor allem die staatlichen Belastungen verantwortlich. Sie fallen mit über 50 Prozent des Strompreises heute etwa dreimal so hoch aus wie noch im Jahr 2000. Den größten Anteil machte lange Zeit die EEG-Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien aus. Wegen der allgemein hohen Energiepreise wurde die EEG-Umlage zum 1. Juli 2022 vorzeitig abgeschafft. Das Ende der Umlage wurde demnach vorgezogen – andernfalls wäre sie zum 1. Januar 2023 weggefallen.

EEG steht für „Erneuerbare-Energien-Gesetz“, das seit dem Jahr 2000 den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland finanziell unterstützt. Dadurch ist die Ökostromproduktion stark gewachsen und der Börsenstrompreis gesunken, wovon auch private Verbraucher*innen profitieren.

Entwicklung der EEG-Umlage

Die Höhe der EEG-Umlage wurde jährlich von den Übertragungsnetzbetreibern kalkuliert und jeweils am 15. Oktober veröffentlicht. Im ersten Halbjahr 2022 betrug sie 3,723 Cent/kWh. Zum 1. Juli 2022 wurde sie auf 0,00 Cent/kWh gesetzt. Alle relevanten Daten zur Kalkulation und zur Entwicklung der EEG-Umlage finden Sie auf www.netztransparenz.de.

Der kWh-Preis und die EEG-Umlage

Offshorewindpark(c) iStock.com/kruwt

Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten Ökostrom-Produzenten von den Übertragungsnetzbetreibern eine feste Vergütung für jede erzeugte Kilowattstunde Strom – in der Regel für einen festgelegten Zeitraum von etwa 20 Jahren. Dieser Preis steht dem durch die Börse bestimmten echten Marktwert des Stroms gegenüber. In der Regel liegt der Börsenstrompreis deutlich unter dem Preis, den der Ökostrom-Produzent für seinen Strom erhält.

Damit die Netzbetreiber auf diesen Kosten nicht sitzen bleiben, erhalten sie die Differenz aus der EEG-Kasse. Auch Eingriffe in das Stromnetz zum Ausgleich schwankender Einspeisungen durch die erneuerbaren Energien werden über das EEG finanziert. Das Geld dafür wurde lange Zeit über die EEG-Umlage im Strompreis generiert. So wurden die Kosten zur Förderung der erneuerbaren Energien über die EEG-Umlage auf die Stromverbraucher*innen umgelegt. Mit dem Wegfall der EEG-Umlage wird die Förderung erneuerbarer Energien zukünftig aus dem Bundeshaushalt finanziert.

Unternehmen mit besonders hohem Stromverbrauch konnten sich häufig von der EEG-Umlage befreien lassen. Auf diese Weise sollte die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen gesichert werden – es bedeutete aber auch, dass vor allem private Verbraucher*innen und kleine Unternehmen die zusätzliche Zahllast tragen mussten.

Wie die EEG-Umlage genau funktioniert und welchen Einfluss sie auf den Strompreis hat, zeigt dieses Video:

Wie hoch ist die EEG-Umlage in Deutschland?

2021 betrug die EEG-Umlage 6,5 Cent pro kWh Strom. 2020 war die EEG-Umlage etwas höher und belief sich auf knapp 6,8 Cent pro kWh, seit 2014 war sie relativ stabil.

Die EEG-Umlage hat sich von Jahr zu Jahr geändert, je nachdem,

  • wie teuer die Kilowattstunde Strom an der Börse war,
  • auf wie viele Stromverbraucher*innen sich die EEG-Umlage aufteilte und
  • welche Kosten für die Produktion des Stroms anfielen.

Durch das Corona-Konjunkturpaket konnte 2021 ein Anstieg verhindert werden, der eigentlich nötig gewesen wäre, um das Defizit auf dem EEG-Konto vom Jahr 2020 auszugleichen. Das entstand durch den pandemiebedingten gesunkenen Stromverbrauch in der Industrie und die damit fehlenden Einnahmen.

Zum 1. Januar 2022 ist die EEG-Umlage deutlich auf 3,7 Cent gesunken und war somit auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Wegen der stark gestiegenen Energiepreise wurde die EEG-Umlage zum 1. Juli 2022 vorzeitig auf 0 Cent pro Kilowattstunde gesetzt.

Höhe der EEG-Umlage von 2010 bis 2022

JahrUmlage in Cent/kWh
20223,7 (1. Halbjahr) – 0,0 (2. Halbjahr)
20216,5
20206,8
20196,4
20186,8
20176,9
20166,5
20156,1
20146,2
20135,4
20123,6
20113,5
20102,0

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Eine direkte Entlastung für Verbraucher*innen ist dadurch aber nicht entstanden. Denn die Energieversorger müssen seit Monaten deutlich höhere Preise für Strom bezahlen, wie diese interaktive Infografik zeigt:

Strommix: Wie setzt sich der Strom in Deutschland zusammen?

Der Strom in Deutschland kommt aus verschiedenen Quellen und wird daher als „Strommix“ bezeichnet. Der Anteil dieser Quellen am Gesamtmix verschiebt sich jedes Jahr, wobei seit einigen Jahren die Bedeutung der erneuerbaren Energiequellen zunimmt. Im Jahr 2021 stammte der Strom der Bundesrepublik zu 46 Prozent aus erneuerbaren Energien – eine Steigerung um mehr als drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die restlichen 54 Prozent des Stroms kamen von konventionellen Energieträgern.

Insgesamt wurden bundesweit rund 582 Milliarden kWh Strom erzeugt (bezogen auf die Bruttostromerzeugung ohne Stromeigenbedarf der Kraftwerke). Die genaue Verteilung der Energiequellen des Strommixes in Deutschland sieht so aus:

Strommix 2021 in Deutschland

konventionelle Energiequellen2021
  • Braunkohle
20 %
  • Steinkohle
9,5 %
  • Kernenergie 
13,3 %
  • Erdgas 
10,4 %
  • Andere
1 %
Erneuerbare Energien2021
  • Windkraft 
23 %
  • Biomasse 
8,8 %
  • Photovoltaik
9 %
  • Wasserkraft
4 %
  • Siedlungsabfälle
1 %

Daten: Fraunhofer ISE

Wie entwickelt sich der deutsche Strommix je nach Jahreszeit und Witterung? Auf der Seite des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE können Sie sich die genaue Zusammensetzung des Strommixes für das Jahr 2021 anzeigen lassen.

Energiewende zu Hause: zu Ökostrom wechseln

Der gesamtdeutsche Strommix ist nicht mit dem Mix gleichzusetzen, der bei Ihnen zu Hause aus der Steckdose fließt. Hier kommt es ganz darauf an, womit der Strom in Ihrer Region erzeugt wird. Einfluss auf den gesamtdeutschen Strommix haben Sie über den Energiemix Ihres Stromanbieters. 

Sie möchten bei sich zu Hause 100 % Ökostrom beziehen? Unsere Suche hilft Ihnen dabei, einen grünen Tarif für Ihre Region zu finden. Dazu müssen Sie lediglich Ihre Postleitzahl sowie Ihren Stromverbrauch angeben. Die Ergebnisse enthalten ausschließlich echte Ökostromanbieter. Sie können entweder einen Ökostrom-Preisvergleich durchführen oder die Tarife nach bestem Klima-Score filtern. Die Suche wird von unserem Partner Switch for Climate bereitgestellt.

Wie kann ich beim Strompreis sparen?

Der mittlere Strompreis von 37,14 Euro lässt nur bedingt Rückschlüsse darauf zu, wie viel Sie selbst tatsächlich für Ihren Strom zahlen. Denn je nach Bundesland, Stromanbieter und Stromtarif kann der individuelle Strompreis deutlich über oder unter dem bundesweiten Durchschnitt liegen. Deutschlandweit buhlen laut Bundesnetzagentur über 1.200 Stromanbieter mit etwa 15.000 verschiedenen Tarifen um neue Kund*innen. Statistisch gesehen stehen Verbraucher*innen in jedem Liefergebiet rund 100 Anbieter zur Verfügung.

Tarife vergleichen und sparen

Um beim Strompreis nicht unnötig viel zu zahlen, sollten Sie daher die Preise der verschiedenen Stromanbieter vergleichen. Laut Monitoring-Bericht der Bundesnetzagentur von 2021 lag der durchschnittliche Einzelhandelspreis für Haushaltskunden bei 32,63 Cent pro Kilowattstunde aus dem deutschen Strommix. Für Ökostrom lag der Durchschnittspreis hingegen bei 32,54 Cent.

Ein 4-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus konnte so bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh pro Jahr etwa über 100 Euro sparen, wenn statt der Grundversorgung Ökostrom bezogen wurde. Rund ein Drittel aller Haushaltskund*innen wird in der Grundversorgung mit Strom beliefert – hier gibt es also noch viel Potenzial, beim Strompreis zu sparen.

Was bedeutet „Grundversorger“? Der Grundversorger ist der Stromanbieter, der im jeweiligen Stromnetz die meisten Haushalte versorgt. Er ist staatlich verpflichtet, eine Stromversorgung anzubieten, zu der alle Haushalte automatisch Zugang haben.

Stromverbrauch senken und sparen

Um die eigenen Stromkosten zu senken, gibt es neben dem Strompreis und dem Anbieterwechsel noch viele weitere Stellschrauben. Schauen Sie dafür in unsere Tipps & Tricks zum Stromkosten sparen rein. Oder Sie nutzen direkt den Stromverbrauchs-Rechner StromCheck und vergleichen Ihren Stromverbrauch mit dem ähnlicher Haushalte. Außerdem erhalten Sie individuelle Spartipps für Ihr Zuhause und eine Liste von Anbietern von echtem Ökostrom für Ihre Region.

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Autorin: Anne Weißbach

Weitere Autor*innen: Laura Wagener

Ansprechpartnerin für Warmwasser und Handabdruck

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